Chris Offutt – Ein dreckiges Geschäft (Buch)


Verletzung, Scheidung, Sheriffwahl und ein toter Dealer

Ein dreckiges Geschäft
© Tropen

Nach einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan hat sich Mordermittler Mick Hardin vom CID der US-Army eine schwere Beinverletzung zugezogen. Von seinem Stützpunkt in Deutschland hat er sich beurlauben lassen und wohnt momentan bei seiner Schwester Linda in Rocksalt, Eldridge County, Kentucky. Nicht nur seine Verletzung schmerzt, auch die laufende Scheidung von seiner Frau Peggy, die ihm seine langen Abwesenheiten im Ausland übelnahm und seit einem Jahr einen neuen Mann nebst gemeinsamen Sohn an ihrer Seite hat. Als Taxifahrer Albin bei einer geplanten Mittagspause auf einem Parkplatz die Leiche des stadtbekannten Drogendealers Fuckin’ Barney entdeckt, kommt jedoch wieder Schwung in Micks Leben.

Auf den Tatortfotos sind Herointütchen zu sehen, die neben Barney auf dem Boden liegen. Die Polizei hält es einfach für einen Drogendeal, bei dem etwas schiefgelaufen ist. Aber jeder Kunde hätte den Stoff doch mitgenommen.“
„Du bist also argwöhnisch?“
„Sagen wir: neugierig.

Barney, durch drei Schüsse ermordet, ist einer der Söhne von Shifty Kissick, die einst angeblich ein Verhältnis mit Micks Vater hatte. Da die Polizei keine Ermittlungen anstellt, wen interessiert ein Mord im Drogenmilieu, bittet Shifty Mick, den Mörder ihres Sohnes zu finden. Ein gefährliches Spiel, denn Drogen sind bald Micks kleinstes Problem. Er trifft auf waffenaffine Hinterwäldler, skrupellose Geschäftsleute und einen großen Umweltskandal. Dies alles kann Linda, die in wenigen Tagen zum Sheriff wiedergewählt werden will, so gar nicht gebrauchen.

Zweiter Fall für CID-Ermittler Mick Hardin

Nach „Unbarmherziges Land“ ist „Ein dreckiges Geschäft“ der zweite Fall der Mick-Hardin-Reihe, der Fans des Vorgängers erneut begeistern wird. Es geht einmal mehr nach Rocksalt und in die Kentucky Mountains, wo die Einheimischen, man möchte eher von Hinterwäldlern sprechen, sich gut selber zu helfen wissen. Abgesägte Schrotflinten und weitere Schusswaffen sind meist griffbereit zur Hand. Kommuniziert wird hingegen eher minimalistisch.

Der Fahrer hob den Zeigefinger vom Lenkrad, und Mick fragte sich, ob der Mann ihm, dem alten Chevy oder dem Plakat seiner Schwester zuwinkte. Egal, er ruckte das Kinn ein wenig nach oben und grüßte zurück. Zwei Männer vom Land, die mit dem absoluten Minimum an Bewegung den guten alten Sitten der Höflichkeit Genüge leisteten.

Das Personaltableau ist aus dem Vorgänger weitgehend bekannt, die reichhaltige Vogelwelt ebenfalls. Mick und Linda sind erneut wie Katz und Hund, man mag sich und geht sich dennoch aus dem Weg. Die Ermittlungen verlaufen zunächst schleppend, auch weil reden in Kentucky eben nicht jedermanns Sache ist. Man genießt die Natur und geht seiner Wege und somit Problemen aller Art aus dem Weg. Eigentlich die Devise von Mick, wenngleich er paradoxerweise Probleme magisch anzuziehen scheint.

Der Krimiplot ist zunächst etwas träge und passt damit wunderbar zu Land und Leuten, entwickelt sich aber zunehmend, einen weiteren Mord nicht ausgeschlossen, bis hin zum actionreichen Finale, in dem Mick seine Militärausbildung zugutekommt. Selbstjustiz gehört natürlich auch dazu, man ist schließlich in Amerika. Nicht nur die Waffengesetze sind „beeindruckend“, selbst die Zuständigkeiten zwischen Sheriff und Polizei haben es in sich.

Der Chief will, dass wir noch mal gründlich überprüfen, in wessen Zuständigkeitsbereich der Tote fällt. Die Stadtgrenze verläuft genau hier irgendwo. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob die Leiche auf dem Gebiet der Stadt oder vom County liegt.“
„Na, dann gehört er entweder mir oder euch.“
„Ja, so ungefähr. Der Chief schickt uns einen Landvermesser mit der Flurkarte vorbei.

Wer lakonische Dialoge und schrullige Typen mag, wird einmal mehr kurzweilig unterhalten. Eine gute Nachricht zum Schluss: Der dritte Teil erscheint im Juni dieses Jahres, allerdings in der englischen Originalausgabe.

Hier geht’s zur Rezension zu „Unbarmherziges Land“.

  • Autor: Chris Offutt
  • Titel: Ein dreckiges Geschäft
  • Originaltitel: Shifty’s Boys. Aus dem Amerikanischen von Anke Caroline Burger
  • Verlag: Tropen
  • Umfang: 272 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: März 2023
  • ISBN: 978-3-608-50186-5
  • Produktseite


Wertung: 12/15 dpt


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