Irmin Burdekat – Die lange Stille (Buch)
Wortwitz meets Tiefgang
Für Werner ist das Leben ein wilder Ritt. Dreißig Jahre immer auf der Überholspur. Vom Klassenclown mit der großen Klappe zum erfolgreichen Inhaber einer Werbeagentur und Besitzer einer Diskothekenkette. Er verfängt sich in mafiösen Strukturen, verliert privat und beruflich jede Bodenhaftung und strandet nach einem Suizidversuch im Alter von nur 42 Jahren in einer Psychiatrischen Klinik.
Dies ist der Ausgangspunkt des Romans. Am Nullpunkt angelangt lässt Autor Burdekat seinen Protagonisten Werner Weber erzählen. Über zwanzig wilde Jahre breitet er vor uns aus. Viel Zeitkolorit fließt in die Erzählung mit ein. Auch das ein gelungenes Element.
Burdekat porträtiert einen Mann, der ohne Nachzudenken durchs Leben eilt, um damit nicht nur denen, die ihn lieben Schaden zuzufügen, sondern auch sich selbst. Doch so tragisch das alles auch anmutet, der Roman sprüht vor Humor und Schlagfertigkeit. Burdekats Erzählstil ist voller Sprachwitz und filmreifer Situationskomik. Trotz aller Übertreibungen, die man dem Autor unterstellen möchte, sind seine Figuren lebensecht und die gezeichnete Entwicklung absolut glaubhaft.
Den Kontrapunkt zu Werner bildet Karin, genannt „die lange Stille“. Sie ist Werners große Liebe seit frühen Jugendtagen und der Fixpunkt, den er nie verliert.
Seite 112
Werner ist Clown und tragische Figur in einem. Burdekat zeichnet die Entwicklung eines Mannes nach, der die große Leere in sich erst entdecken muss, bevor er sie nach vielen schmerzhaften Niederlagen durch eigenen Lebenssinn ersetzen kann.
„Die lange Stille“ ist ein sehr unterhaltsam geschriebener Entwicklungsroman mit einer unaufdringlich inszenierten Liebesgeschichte, in der es zwischen den schnoddrig-lässigen Zeilen einiges an Tiefgang zu entdecken gilt.
- Autor: Irmin Burdekat
- Titel: Die Lange Stille
- Verlag: tpk-Verlag
- Erschienen: April 2022
- Einband: Gebundene Ausgabe
- Seiten: 256 Seiten
- ISBN: 978-3936359879
Wertung: 12/15 dpt